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Bessere Jobchancen? – Jobcenter schickt Hartz IV-Empfänger ins Fitnessstudio

Das Jobcenter Prignitz schickt Arbeitslose ins Fitnessstudio. Das soll die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Die Teilnahme sei freiwillig. Betroffene berichten von angedrohten Kürzungen der Bezüge.

Die Jobcenter-Maßnahmen haben einen schlechten Ruf. Sie würden die Hartz-IV-Empfänger nur transanieren, ihnen aber keine wirklichen Wege eröffnen, wieder in den regulären Arbeitsmarkt einzusteigen. Ein Vorwurf, der gar nicht so weit hergeholt scheint, bei Berichten wie denen vom Jobcenter Prignitz in Brandenburg.

Jobcenter schickt Hartz IV-Empfänger ins Fitnessstudios

Wie die Zeitung „Märkische Allgemeine“ („MAZ“) schreibt, wurden dort 22 Arbeitsuchende in sogenannte “Einzelcoachings mit gesundheitsförderndem Ansatz“ geschickt. Oder um es in einfacheren Worten zu sagen: Sie mussten ins Fitness-Studio.

Nicole Heinig, die Bereichsleiterin im Jobcenter Prignitz sagte gegenüber der Zeitung, man wolle damit neue Wege gehen und die individuellen Vermittlungshemmnisse der Kunden bekämpfen. Es handelt sich um nicht genauer beschriebene gesundheitliche Probleme. Eine Teilnahme daran sei jedoch nicht verpflichtend. Die „MAZ“ hat jedoch mit einem Teilnehmer gesprochen, der die Situation etwas anders beschreibt: „Mir wurde gesagt, wenn ich nicht ins Fitness-Studio gehe, werden meine Leistungen um 30 Prozent gekürzt.“

Die Jobcenter-Maßnahme ist fragwürdig und teuer

Ob es also ein Zusatz-Angebot des Jobcenters oder verpflichtendes Sport-Bootcamp ist, lässt sich nicht zur Gänze beurteilen. Klar ist jedoch: Dieses individuelle Sportcoaching ist sehr teuer. 1.380 € soll das Training im Fitness-Studio laut der „MAZ“ kosten. Der hohe Preis entsteht dadurch, weil das Sportcoaching, „sehr individuell und speziell auf die Problemlagen der Kunden ausgelegt ist“, sagt Heinig gegenüber der „MAZ“. Laut Angaben des Jobcenters seien immerhin bereits 4 der 22 Teilnehmer im Anschluss der Maßnahme erfolgreich in Jobs vermittelt worden. Das scheint in den Augen des Jobcenters den hohen Preis wieder zu relativieren. Ab Mai 2018 soll das “Sport-Angebot” trotzdem erstmal wieder eingestellt werden.

Stellt sich zum Schluss die Frage: Ist dies wirklich genau so, wie die Jobcenter arbeiten sollten? Nur 16 von 1000 Langzeitarbeitslose finden wieder einen Job. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich: Sprachprobleme, hohes Alter, schlechte Noten, fehlende Abschlüsse. Das sind die “Vermittlungshemmnisse”, welche die Jobcenter angehen sollten.

Die wahren Vermittlungshemnisse

54 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben keinen Berufsabschluss, jedoch verlangen 80 Prozent der offenen Stellen auf dem Arbeitsmarkt eine abgeschlossene Ausbildung. Von 100 Arbeitslosen erhält momentan nur einer eine Weiterbildung von Jobcenter, die zu einer abgeschlossenen Ausbildung führt. Was die Jobcenter stattdessen anbieten, ist daher höchst umstritten. Wie dieses Sportprogramm in Prignitz. In der Regel sind diese Maßnahmen einfach mehr oder weniger nutzlose Projekte, die die Hartz-IV-Empfänger irgendwie beschäftigen sollen. Trotzdem müssen Hartz-IV-Empfänger an diesen Maßnahmen teilnehmen. Wer nicht erscheint, dem drohen Kürzungen der Leistungen.

Selbst der Bundesrechnungshof hat das schon erkannt und nennt die Maßnahmen der Jobcenter “oft nur zufällig erfolgreich”. Das Projekt des Jobcenters Prignitz mit 4 vermittelten Maßnahmen-Teilnehmern scheint auf jeden Fall dazu gehörig.

Hinweise

  • Quelle: Märkischen Allgemeinen (MAZ) vom 13.04.2018

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