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Soziales

Hartz IV und Grundsicherung neu ausrichten – nur wie?

Wer ist von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen?

Im Jahresdurchschnitt 2016 waren 437.000 der (damals) insgesamt 993.000 Langzeitarbeitslosen zwischen einem und zwei Jahren und 199.000 zwischen zwei und drei Jahren arbeitslos. 120.000 waren zwischen drei und vier Jahren und 236.000 vier Jahre und länger auf der Suche nach einer Beschäftigung. Während die Zahlen im Vorjahresvergleich in allen anderen Dauerklassen zurückgegangen sind, ist die Zahl derer, die vier Jahre und länger arbeitslos sind, gestiegen. Bei den Menschen mit einer sehr langen Dauer der Arbeitslosigkeit ist somit eine Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit festzustellen. 

Das Risiko, von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen zu sein, ist nicht für alle Personengruppen gleich hoch. Im Jahresdurchschnitt 2016 waren von allen Arbeitslosen 37% langzeitarbeitslos. Frauen sind etwas stärker betroffen als Männer. Vor allem haben jedoch ältere Menschen und Geringqualifizierte ein deutlich erhöhtes Risiko, langzeitarbeitslos zu sein. Ein Fünfjahresvergleich (Juni 2012 bis Juni 2017) zeigt, dass einzelne Personengruppen vom allgemeinen Trend der sinkenden Langzeitarbeitslosigkeit regelrecht abgekoppelt sind. So ist die Zahl der älteren Langzeitarbeitslosen (55 Jahre und älter) nahezu konstant geblieben (2012: 258.000, 2017: 254.000) und die Zahl der Geringqualifizierten ist sogar von 506.000 auf 523.000 angestiegen.

Ursachen der Langzeitarbeitslosigkeit

Zunächst ist die Langzeitarbeitslosigkeit vor allem eine Folge der Probleme der Massenarbeitslosigkeit. Nimmt man nicht die offizielle Arbeitslosenstatistik, sondern geht von der tatsächlichen Arbeitslosigkeit (die BA spricht hier von „Unterbeschäftigung“) aus, sind 3,4 Mio. Menschen arbeitslos. Dem stehen nur 840.000 offene Stellen gegenüber. Aufgrund dieser Arbeitsplatzlücke gibt es in vielen Bereichen des Arbeitsmarkts weiterhin Selektionsprozesse, bei denen ein Teil der Arbeitsuchenden im Kampf um die Jobs immer wieder und vor allem auf Dauer unterliegt.

Weiter verhindert das Missverhältnis zwischen den Qualifikationsanforderungen der offenen Stellen und den Qualifikationen der Langzeitarbeitslosen teilweise eine Integration in den Arbeitsmarkt. Knapp die Hälfte (46%) der Langzeitarbeitslosen haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, mehr als die Hälfte (54%) verfügen hingegen über keine. Aber nur 20% der offenen Stellen am ersten Arbeitsmarkt sind auch für Personen ohne Berufsabschluss zugänglich. Dieses Missverhältnis zwischen geforderten und vorhandenen Qualifikationen verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, die Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung und insbesondere der Bildungsmaßnahmen, die zu einem Abschluss führen, deutlich auszuweiten.

Auch hängt das Ausmaß der Langzeitarbeitslosigkeit entscheidend vom regionalen Arbeitsmarktes ab. In Regionen mit niedriger Arbeitslosigkeit ist auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen gering und umgekehrt. In Regionen mit sehr schlechter Arbeitsmarktsituation haben selbst Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung ein doppelt so hohes Risiko, langzeitarbeitslos zu sein oder zu werden. Trotz Berufsabschluss gelingt es in Regionen mit schlechter Arbeitsmarktsituation Arbeitslosen deutlich seltener, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Ihre Chance auf Arbeit ist nahezu nur halb so groß (55%) wie die von Arbeitslosen ohne Berufsabschluss, die in Regionen mit sehr guter Arbeitsmarktsituation leben. 

Diese immensen Unterschiede beim Ausmaß der Langzeitarbeitslosigkeit können nicht nur mit Instrumenten der aktiven Arbeitsmarktpolitik überwunden werden. Gefordert ist eine beschäftigungsorientierte Struktur- und Wirtschaftspolitik, um vergleichbare Lebensverhältnisse in ganz Deutschland herzustellen und die Gefahr von Abwärtsspiralen in den strukturschwachen Regionen zu bannen. Darüber hinaus geht es um die Entwicklung eines sozialen Arbeitsmarkts, um nahezu chancenlosen Personengruppen eine Perspektive zu eröffnen und soziale Teilhabe über Erwerbsarbeit zu ermöglichen. In strukturschwachen Regionen hat eine solche öffentlich geförderte Beschäftigung aber auch die Funktion, die fehlenden Arbeitsplatzangebote zu kompensieren und Angebote der öffentlichen Daseinsvorsorge zu stärken.

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